Mit einer HIV/AIDS-Rate von 5,1 Prozent zählt Kamerun zu den Hochprävalenzländern in Afrika. Der Nordwesten ist mit einer Rate von 8,7 Prozent die am stärksten betroffene Region des Landes. Einmal im Monat kommen daher in Bamenda, der Hauptstadt der anglophonen Nordwest-Region, die Vorsitzenden mehrerer Selbsthilfegruppen für HIV-Infizierte zusammen, um mit der DED-Fachkraft Sabine Steinbrich über gesundheitliche Themen und aktuelle Probleme zu sprechen.
Entwicklungshelferin Sabine Steinbrich erklärt den Workshop-Teilnehmern die Wirkung einer Heilpflanze.
„Tropische Heilpflanzen" lautet das Thema des Mai-Workshops, zu dem sich 26 Frauen und Männer in Bamenda versammelt haben. Die ausgebildete Ethnologin Sabine Steinbrich stellt verschiedene Pflanzen vor, mit deren Hilfe die HIV-Infizierten Krankheiten vermeiden oder behandeln können - darunter klassische Tropenkrankheiten, aber auch opportunistische Infektionen, die auftreten, wenn das Immunsystem bereits geschwächt ist und selbst harmlose Erreger nicht mehr abwehren kann. Aufmerksam hören die Teilnehmer zu, wie beispielsweise die Pflanze Artemisia zur Prävention und Behandlung von Malaria eingesetzt werden kann. Steinbrich erläutert, wie gewöhnlicher Knoblauch als Mittel gegen Pilzinfektionen oder gemeinsam mit Ingwer gegen Husten wirkt. Dass Aloe Vera bei äußerer Anwendung gegen Verbrennungen und Juckreiz hilft, wissen viele der Workshop-Teilnehmer bereits. Dass man die Pflanze als Mittel gegen Bauchschmerzen auch trinken kann, verblüfft aber doch einige.
Die Anwendung und Wirkung von Aloe Vera erklärt Steinbrich mit Hilfe von Bildplakaten. Die Teilnehmenden lernen anschaulich, wie die Pflanze angebaut wird und auf welche Art und in welcher Dosierung sie zu einer natürlichen Arznei verarbeitet werden kann. „In Zusammenarbeit mit einem lokalen Künstler haben wir Bildplakate zu verschiedensten Themen erstellt. Die Plakate sind alle handgemalt. Die Darstellungen ermöglichen es insbesondere auch den Teilnehmern, die nicht lesen und schreiben können, aktiv bei den Workshops mitzuarbeiten", so Steinbrich.
Hier wird der richtige Umgang mit Kondomen bildlich erklärt.
Laut UNESCO können in den ländlichen Gebieten Kameruns rund 40 Prozent der Bevölkerung weder richtig lesen noch schreiben. Hierdurch sind die Betroffenen häufig von vielen Informations- und Fortbildungsmaßnahmen ausgeschlossen. Dank der Verwendung von Bildern können sich in den Workshops von Steinbrich hingegen alle Anwesenden beteiligen. Sie beschreiben, was auf den Illustrationen zu sehen ist und diskutieren anschließend. Auf diese Art und Weise können ganz unterschiedliche Themen verständlich erörtert werden, beispielsweise die korrekte Einnahme der antiretroviralen Medikamente, der Umgang mit Sexualität und Stigmatisierung, eine ausgewogene Ernährung oder Familienplanung trotz einer HIV-Infektion.
Am Ende des Workshops erhalten die Vertreter der verschiedenen Selbsthilfegruppen je einige Setzlinge, um diese gemeinsam mit ihren Gruppen vor Ort anzupflanzen und sich von der Wirksamkeit zu überzeugen. Auch werden sie dazu ermutigt, ihr im Workshop erworbenes Wissen als Multiplikatoren an ihre Gruppen weiterzugeben. „Ich komme immer wieder gerne zu den Workshops, da ich hier viel lerne. Ich freue mich schon darauf, mein neues Wissen über Heilpflanzen mit den Mitgliedern meiner Gruppe zu teilen", so der Vorsitzende einer Selbsthilfegruppe für HIV-Infizierte, der regelmäßig an den Veranstaltungen teilnimmt.
In regelmäßigen Abständen besucht Sabine Steinbrich die Selbsthilfegruppen an ihren jeweiligen Standorten und überzeugt sich davon, dass das erlernte Wissen auch weitergeben wird. Bei Bedarf wiederholt sie Themen aus den Workshops mit der gesamten Gruppe oder greift ein neues Thema auf, welches anhand von Bildplakaten diskutiert wird.
-04. Juni 2009-
